Campo de Criptana
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Tanja Krienen - Biographie

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Tanja Krienen (geb. am 19. Mai 1957 in Hagen/Westfalen) ist eine Autorin, Journalistin und Allrounderin.

Sie wächst als Einzelkind in einem Arbeiterhaushalt auf, lernt Energieanlagenelektronik, wechselt dann zur Pädagogik und arbeitet als Erzieherin und Sozialarbeiterin. 1985 überlebt sie einen Autounfall nur knapp. Ihre erste Ehe (ab 1987) wird nach sieben Jahren geschieden, 1998 heiratet sie zum zweiten Mal.

Leben


Frühzeitig wird sie mit Politik und Kultur konfrontiert, erlebt Willy Brandt während des Wahlkampfes 1965 und sieht die Beatles im Alter von neun Jahren (1966) live. In Hollywood 1987 begegnen ihr live Eddie Murphy, Sylvester Stallone, Charlton Heston, das berühmteste Mordopfer der Filmgeschichte aus Hitchcocks "Psycho", Janet Leigh, Judge Reinhold, Olivia Newton-John, Virginia o´ Brian (u.a. Ziegfeld follies) u.v.a.. Aus ihren Erfahrungen und starken Emotionen wächst das Wissen um Formen der Politik und Kultur.

Sie engagiert sich ab 1975 in der Gewerkschaft und übernimmt dort zahlreiche Funktionen, doch sie wird auch Punk, interessiert sich für Dadaismus und Surrealismus und schließt sich in den 70er Jahren der Deutschen Kommunistischen Partei an, die sie aber auf Grund ihrer negativen Erfahrungen mit dem real existierenden DDR-Sozialismus Anfang der 80er Jahre verlässt. Zwischenzeitlich erlebt sie die Ausbürgerung von Wolf Biermann und ist bei seinem ersten öffentlichen Auftreten drei Tage nach dieser Maßnahme bei einer Solidaritätsveranstaltung anwesend. 1982 gehört sie dann zu den Gründungsmitgliedern der Demokratischen Sozialisten, denen sie bis zum Ende der Partei im Jahre 1990 treu bleibt. Im Bundestagwahlkampf 1998 kämpft sie an der Seite der Kommunistin Sahra Wagenknecht. Dieses bisher letzte linke Engagement in der Partei des Demokratischen Sozialismus, endet Anfang 1999 in einer viel beachteten öffentlichen Auseinandersetzung, da sie die Organisation als Kreisvorsitzende und Mitglied des NRW-Landesparteirat mit dem Verweis auf weiter bestehende stalinistische Tendenzen verlässt, nach dem ein Ausschlussverfahren gegen sie einläutend wurde.

Seit Ende der 90er Jahre konzentriert sie sich auf ihre Tätigkeit als Autorin und Publizistin. Daneben schreibt sie zum 100. Todestag des Philosophen Friedrich Nietzsche ein "Biographisches Programm", inszeniert es, spielt die Rolle der Biographin und führt es so mehrfach öffentlich auf. Zudem entdeckt sie im Jahre 2000 den bis dahin unbekannten Fakt, dass der Bertolt Brecht-Gefährte und Komponist der DDR-Nationalhymne Hanns Eisler, während ihrer gemeinsamen Arbeit an Charlie Chaplins "Monsieur Verdoux", mit dem Schwiegersohn Friedrich Holländers, dem später als Kabarettist bekannt gewordenen Georg Kreisler, im Hollywooder Exil zusammentraf. Zum 25. Jahrestag der Ausbürgerung von Wolf Biermann schreibt sie einen pessimistisch gefärbten Beitrag für das von Fritz Pleitgen verlegte Buch "Die Ausbürgerung. Anfang und Ende der DDR", mit dem Titel "Die Zeit ist nicht passe". In ihren Lesungen des Aufsatzes wird sie bisweilen heftig von Alt-Kommunisten angriffen.

Krienen bringt zwischen 2003 und 2005 das inzwischen legendäre Magazin "Campo de Criptana" heraus, benannt nach dem Ort, in dem Don Quijote seinen Kampf gegen die Windmühlen austrug, einer Haltung, der sich die "Erbin Don Quijotes", so die Presse, verpflichtet fühlt. In dieser Publikation werden Beiträge und Interviews vieler bekannter Autoren, Publizisten und Politiker veröffentlicht, vor allem aber jene der Tochter Ulrike Meinhofs Bettina Röhl, Georg Kreisler, Henryk M. Broder, Wolf Biermann, Michael Woffsohn, Fritz J. Raddatz, Sahra Wagenknecht, Katharina Rutschky, Lutz Rathenow, Konstantin Wecker, Peter Glotz, Hans-Christian Ströbele, Ulrich Sahm, Vera Lengsfeld, Rosa von Praunheim u.v.a..

Sie selbst schreibt außerdem für das Parteimagazin der FDP "liberal", in der anarcho-kapitalistische Zeitung "eigentümlich frei", für die in Kanada erscheinende "Deutsche Rundschau" und in verschiedenen deutsch-spanische Publikationen. In Spanien erhält sie auch 2002 den Literaturpreis Primer Concurso Literario de la Costa cultural de Alfaz del Pi".

Ihr Schreibstil besteht aus einer seltenen Mischung von Sprachartistik, Aggressivität und Detailverliebtheit. Nicht selten dominieren ein apodiktischer Duktus und ein manchmal antiquiert wirkendes, pessimistisch angehauchtes Pathos, gebrochen jedoch durch augenzwinkernde, bisweilen geradezu grotesk anmutende Formulierungen und auf die Spitze getriebene Wendungen. Ihre manchmal arglos erscheinende Offenheit gegenüber vielen Personen und Themen unterschiedlicher Couleur, bringt ihr, ebenso wie ihre Emotionalität, oft heftige Kritik ein. Durch neue, subjektive Sichtweisen, die im Ergebnis ihr Bestreben nach schonungsloser Überwindung alter Erkenntnisse darstellt, wird sie immer wieder von weniger flexiblen Zeitgenossen als Verräterin scheinbarer Gemeinsamkeiten angesehen.

Im Bundestagswahlkampf 2005 übernimmt sie den Auslandswahlkampf der CDU auf dem spanischen Festland. Das Mallorca-Magazin spricht davon, sie könne "ganz allein das rückwärtsgewandte, wertkonservative, traditionsverhaftete Image der Christunionisten umkrempeln" und die Süddeutsche Zeitung über "Angela Merkels Hilfszentrale an der Costa Blanca".

Über ihr in vielerlei Beziehungen wechselvolles Leben jedoch, hatte sie schon in ihrer Ende 2004 erschienenen, umfangreichen und auf den Leser Gewissheiten zertrümmernden Biographie "Hammerschläge", Zeugnis abgegeben.

Am 7. Februar 2006 wurde sie zur ZK- Vorsitzenden des Zentralrates für Transsexuelle in Deutschland gewählt.

Tanja Krienen lebte zwischen 2003 und 2006 mit ihrem Ehemann auf einer Finca in der spanischen Comunidad Valencia - seit August 2006 wieder in Deutschland.



Stimmen zu Tanja Krienen



David Schah (eigentümlich frei): Tanja Krienen gilt in vielen Kreisen als Enfant terrible. Dass Krienen, die sich mittlerweile als Antikommunistin versteht, für viele ein rotes Tuch ist, liegt daran, dass sie ihre Meinung durchaus offensiv und kompromisslos ausdrückt, wo immer sie Ungerechtigkeiten und Widersprüche ausmacht. Ihre 2004 erschienene Autobiographie "Hammerschläge" liest sich als interessantes und anregendes Psychogramm und als ein Entwicklungsroman, der geradezu nach einer Verfilmung schreit. Daneben kann "Hammerschläge" auch als wertvolles zeitgeschichtliches Dokument goutiert werden.

Eike Stedefeld (Gigi): "Ihr Lebenslauf biete "für mehrere Leben Stoff" sagt Tanja Krienen, die an diesem Abend ihre Autobiographie "Hammerschläge" vorstellt. Durchgeknallt, meinen Sie? Politisierende Willy- Berührung mit acht Jahren! Wo hat man das zuletzt gehört? "Meine Mutter hat Hitler geküsst" Man hat sie ihm hingehalten". Da ist man doch gespannt auf Krienens "Sexualisierung in einer Zeit, die in Wirklichkeit wenige heroische Momente besaß" außer dem ihrer eigenen Sexualisierung. Und das findet wirklich im Brecht-Haus statt. - Brecht im Imperativ."

Süddeutsche Zeitung: "Schröder muss weg", sagt sie. Deutschland braucht eine Wende. Ihre eigene hat die dunkelhaarige Frau im feuerroten Top bereits hinter sich.

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): Kinder und Jugendliche [...] Hormone zu verabreichen, weil sie sich im falschen Körper vermuten, hält sie für ein Verbrechen [...].Einig sind sich Krienen, Meyenburg und Sigusch in der Beobachtung, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich wegen einer gestörten Geschlechtsidentität in Behandlung begeben, zunimmt.

Siegener Zeitung (über die Beatles - Konzerte 1966 in Deutschland): Für Tanja Krienen aus Unna, die heute als Schriftstellerin in Spanien lebt, war der Auftritt in persönlicher Urknall...

Costa Blanca Rundschau: Die 47jährige ist in ihrem Leben noch keinem Kampf aus dem Weg gegangen. Auf ihrer Homepage präsentiert sich Tanja Krienen als streitbare Amazone im Military Look Privat wirkt die Frau mit den großen, blauen Augen und der schmalen Taille eher mädchenhaft.

Thor Kunkel: ...eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Dustin Hoffmann.

Burkhard Schröder: Wenn man Tania Krienen kennt, ahnt man schon, um welche Themen es geht: Sex und verwandte Themen, der nahe und mittlere (nicht der ferne) Osten. Das Verhältnis zwischen Krienen und PDS ist emotional innig, starke Gefühle beherrschen den Dia- und oft Monolog - man könnte auch sagen: Szenen einer ehemaligen Ehe. Man prügelt gern und oft aufeinander ein. Krienen und (Bettina) Röhl haben das Kämpferische gemeinsam. Ohne Reibungsfläche geht es nicht. Immer muss man sich an etwas abarbeiten. Die meditative Stille ist ihnen, so meine klippschulenartige Interpretation, fremd. Von Röhl lernte ich den Begriff "Heuchelachsler". Will sagen: Röhl kämpft eigentlich gegen alle, insbesondere gegen die Generation ihrer Mutter.

Jörg Fischer: Bettina Röhl und Tanja Krienen sind Garantinnen für billigen, substanzlosen Asphalt"journalismus", der hohen Denunziations-, dafür aber weder einen Nachrichten-, noch einen Neuigkeitswert besitzt.

Muslim-Markt: Überhaupt scheint Ihr Leben voller extrem erscheinender Weiterentwicklungen zu sein.

Michael Miersch (Die Welt, Achse des Guten): Allerlei Querfronten sind ja seit längerem bekannt, jetzt kommt eine Kreuz-und-Quer-Front: Arne Hoffmann ist bei Tanja Krienen vorstellig geworden, weil beiden befürchten bei nächster Gelegenheit vom Geheimdienst der Achse des Guten verhaftet und mit einem CIA-Flugzeug nach Lummerland entführt zu werden. Der unterdrückte Hoffmann wendet sich Hilfe suchend bzw. anbietend die verfolgte Krienen.

CBZ: Nach Spanien zieht es Tanja Krienen seit 15 Jahren regelmäßig, wo sie mit verschiedenen Lesungen und philosophischen Diskussionsabenden das Kulturprogramm an der Costa Blanca bereicherte..Publizistisch gegen den Strich bürsten und nicht mit den politischen Wölfen heulen, das ist die Quintessenz aus dem auch politisch sehr aktiven Leben der 47jährigen.

Juri Klugmann, Kanada: Wo andere Medien die Türen schließen, öffnet Campo-Krienen ein Fenster.

Georg Kreisler: Mittlerweile habe ich auch einige Artikel für die Magazine KONKRET und CAMPO DE CRIPTANA geschrieben (die es leider nicht mehr gibt).

Neues Deutschland: Krieg und Terror in Nahost ... Der Bulldozerfahrer hörte nicht auf zu brüllen..und brach ein Stück aus der Betonmauer , bis sie über Jamal zusammenbrach, eh ihm jemand helfen konnte. Der Name des Bulldozerfahrers oder seines Befehlshaber ist nicht bekannt. Könnte er auch Tanja Krienen heißen?

Antwort Tanja Krienens im ND: Ich habe niemals einen Bulldozer in den palästinensischen Gebieten gesteuert, weder Häuser eingerissen noch trage ich Schuld daran, dass Menschen ihr Leben im Rollstuhl verbringen müssen. Zu keinem Zeitpunkt befehligte ich Truppenteile der israelischen Armee . somit habe ich auch keinem Menschen einen Befehl zur Zerstörung palästinensischer Häuser erteilt. Ich war niemals Mitglied irgendeines Heeres.

Westfalenpost: Colt-Lady

Westfälische Rundschau: Tanjaminator! Das alles erinnert doch stark an ein Polit-Happening der Kommune 1. Den medienträchtigen Rummel provozierte erneut Tanja Krienen, die junge Leute vor den "stalinistischen Rattenfängern" warnen wollte.und interessanterweise behauptet, sie sei nur abgesägt worden, weil die Kommunisten spießbürgerlichen Moralvorstellungen anhingen. Die überzeugte Sozialistin musste schließlich von Beamten abgeführt werden. Das nennt der Chronist Engagement!

BILD-Zeitung: Kritische Meinungen werden bei der PDS rigoros abgewürgt. Das wirft PDS-Aussteigerin Tanja Krienen ihrer ehemaligen Partei vor.

Junge Freiheit: Tanja Krienen gehörte zu denjenigen, die sich um eine Befreiung der PDS aus ihrem kommunistischen Korsett bemühte.

WR: Als Geschwister im Geiste fanden sich Tanja Krienen, Unnaer-Ex-Vorfrau der PDS, und Wolf Biermann, stets kritischer Linken in beiden Teilen Deutschlands.

Costa Blanca Nachrichten, Altea Portal: Anschließend las Tanja Krienen.Krienens Beitrag und politische Meinung sorgten für Diskussionsstoff und erhitzte Gemüter. Tanja Krienen riss es vom Stuhl. Sie zeigte, dass ihre bauchfreie Jugendkleidung nicht nur Erinnerung an die Kampfzeit der Gewerkschafts-Jugendvertreterin von vor 30 Jahren war. Sie schoss massiv verbal zurück und bewirkte, dass sich ihre Opponentin als ehemalige DDR-Funktionärin outete (mit heutigem Ruhesitz an der Costa Blanca, wie ich später erfuhr) und nach einer weiteren wortreichen Breitseite stolz erhobenen Hauptes aus dem Salon segelte, ihren Mann im Schlepptau.

Costa Blanca Zeitung: Trotz des scheinbar sperrigen Themas Philosophie wurde es ein spannender Abend in bester literarischer Tradition. Tanja Krienen hatte das Manuskript aus dem unerschöpflichen Faktenreichtum des Werkes und Lebens Friedrich Nietzsches zusammengestellt und beeindruckte als vortragende Biographien.

Hellweger Anzeiger: Politisch greifbar war sie noch nie.

Rolf Ohler, Vorsitzender der Schwulen und Lesben in der CDU/CSU: Eine kompetente Persönlichkeit.

Indymedia: Die rechtslastige Tanja Krienen (ehemals PDS, jetzt pro-Bush).

Antifaschistische Nachrichten: Zwischen Rinks und Lechts

Frankfurter Rundschau: Alles andere als eine seriöse Quelle.

Der Blogger Robin Renitent: "Ihr Vokabular (ist) beeindruckend. Man kann da lernen. Bedauerlicherweise entziehen sich andere Blogs diesem Lehrangebot und drohen mit Sperrung.

Hessisch-Niedersächsische Zeitung (HNA): Vielleicht teilt sie gern aus, weil sie viel einstecken musste in ihrem Leben.

Rainer Meyer (FAZ und Blogger "Don Alphonso"):
Der Krienen Leute invitierst Du besser nicht
sonst verbindet man damit Dein Gesicht.


Helmut Leitner, Buchautor:
¬ĒTanja Krienen eine geistige Walk√ľre, ein dialektisches Monster, eine Einsame in der W√ľste. Eine Herausforderung f√ľr jeden an Zeitgeschichte interessierten! Eine Frau die den aufrechten Gang nicht verlernt hat.¬Ē

Werke:


Schönes Grün - 2022 - Die nicht überleben wollen
Wir schreiben das Jahr 2022. In Deutschland wurden rigoros "klimaerhaltende Maßnahmen" umgesetzt, die sich inzwischen längst ins Gegenteil verkehrt haben. In einem kulturlosen, von postfeministischen Strukturen geprägten Überwachungsstaat beherrschen Hybriden eine zur Geschlechtslosigkeit verurteilte Gesellschaft. Individualismus und Sarkasmus sind in jeglicher Form strengstens verboten. Jugendliche und Freidenker bilden Widerstandsgruppen und führen einen verzweifelten Aufstand. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte, was mit der alten Kanzlerin, die im Jahr 2011 gestürzt wurde, geschah. Die aus dem Koma erwachte Erzählerin erlebt ein Grauen, das schon bald in Deutschland Realität sein könnte. Auf der Flucht durch das Schöne Grün treibt sie die Frage an, wie es dazu kommen konnte.
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Gemeinsam mit anderen Autoren:


Die Ausbürgerung . Anfang von Ende der DDR.
Herausgeber Fritz Pleitgen, Autoren Wolf Biermann, Marianne Birthler, Hans Christoph Buch, Bärbel Bohley, Ralph Giordano, Katja Havemann, Tanja Krienen, Manfred Krug, Günter Kunert, Rainar Kunze, Arno Lustiger, Günter Wallraff u.a. 3-89834-044-9, Ullstein-Verlag, 2001, ISBN: 3-89834-044-9
Klappentext: Am 13. November 1976 singt Wolf Dieter Biermann vor 7000 Menschen in der Kölner Sporthalle - sein erstes öffentliches Konzert nach 11 Jahren Auftrittsverbot. Am 16. November 1976 wird Wolf Biermann von der Regierung der DDR das Recht auf Aufenthalt und somit die Staatsbürgerschaft entzogen. Am 17. November protestieren 13 prominente Schriftsteller der DDR gegen die Ausbürgerung und bitten darum, "diese Maßnahme zu überdenken". Eine Welle der Solidarität in der Bevölkerung setzt ein, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Mit vielem haben die Oberen des Landes gerechnet, nur nicht mit lauten Protesten im eigenen Land. 25 Jahre danach erinnern sich Zeitzeugen aus Ost und West: eindrucksvoll und bewegend erzählen sie von ihren Begenungen mit Wolf Biermann und den Folgen der Ausbürgerung, die die Lebensläufe von vielen einschneidend veränderte. Ob in Geschichten von Manfred Krug, Günter Kunert, Hans Joachim Schädlich, Bärbel Bohley und Marianne Birthler oder Hans Christoph Buch, Günter Wallraff, Arno Lustiger und Ralph Giordano - in jedem Beitrag wird die Ungeheuerlichkeit dieses Willküraktes auch für den begreifbar, für den die DDR Historie ist.

Ganz voran Wolf Biermann selbst. Zum ersten Mal überhaupt schreibt er über die Ereignisse jener Jahre und über das, was die Ausbürgerung für ihn persönlich bedeutet hat. Eines wird aus allen Geschichten, die hier erzählt werden, sichtbar - auch durch neue Dokumente und Essays, die die ganze Perfidie des DDR Staatsapparates zeigen. Wolf Biermann hätte den ganzen Abend in Köln auch nur "Hänschen klein, ging allein" singen können, die DDR hätte an ihrem Vorsatz, den damaligen Staatsfeind Nr. 1 loszuwerden, festgehalten: denn dies war schon lange vor seiner Reise nach Köln beschlossene Sache.

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Hammerschläge, Autobiographische Augenblicke, BoD, 2004
Hammerschläge sind Synonyme für Aktionen, Affären und Argumente, eingebettet in einen Lebenslauf, der in seiner Vielfältigkeit für mehrere Leben Stoff bietet. Dabei ist die Transsexualität der 1957 geborenen Autorin zwar der Auslöser und Hintergrund mancher Eskapaden und Turbulenzen, aber vor allem ist es das aktive Leben eines hochpolitischen und kulturell engagierten Menschen, das in seiner konsequenten Ausrichtung immer wieder erstaunen und erschüttern lässt. Besonders minutiös wird die Kindheit geschildert, in der sie schon frühzeitig mit Politik und Kultur in Berührung kommt - z.B. Willy Brandt noch 1965 in der Opposition, sowie auch ein Konzert der Beatles im Jahre 1966, live erlebt. Die folgende Politisierung, die Sexualisierung, in einer Zeit, die in Wirklichkeit wenige heroische Momente besaß, wird in atemberaubender Weise lebendig und zum Greifen nachvollziehbar: im Wortsinn fassbar. Schon als Kind und in der frühen Jugendzeit wird ihr die Außenseiterrolle bewusst, die sie als "Junge", der sich eigentlich als Mädchen fühlt, einnimmt. Sie erlernt Elektrotechnik und später einen pädagogischen Beruf, heiratet, orientiert sich neu, und setzt dann das Leben in der weiblichen Geschlechterrolle fort. Als Transsexuelle und Politikerin bleiben ihr vehemente Demütigungen nicht erspart, doch bekämpft sie ihre Gegner mit einem politischen Anspruch und der ihr eigenen Offensivität. Dabei sind die "Verbrechen" im philosophischen Sinne gemeint: Nichtbeachtung von Ritualen, Übertretungen der Spielregeln, Eigenwilligkeit im Sinne Nietzsches. Doch dadurch entstehen Konflikte, wird sie so zum Hassobjekt einer Gesellschaft, die Menschen mit einer freien Haltung - "Jenseits von Gut und Böse" - mehr abstraft, als den scheinbar angepassten, aber wirklichen Verbrecher. Sie aber läuft als "Tanjaminator" und als "Colt-Lady" durch die Presse, als ein entscheidener Schuss fällt. Ihr Motto jedoch bleibt der Nietzsche - Satz: Das Geheimnis, um den größten Genuss vom Dasein einzuernten, heißt: gefährlich leben! Nach vielen Reisen durch die USA, die Sowjetunion und anderen Ländern, lebt Tanja Krienen, die seit 1998 zum zweiten Mal verheiratet ist, heute mit ihrem Mann in Spanien. Dort schreibt sie Kolumnen für eine spanische und kanadische Zeitung, beteiligt sich erfolgreich an zwei kleineren Literaturwettbewerben, schreibt ein Nietzscheprogramm, das sie auch auf der Bühne präsentiert, erstellt zwischenzeitlich einen Beitrag für ein Buch zum 25. Jahrestag der Ausbürgerung Wolf Biermanns, führt Lesungen durch, und gibt seit Anfang 2003 das Magazin "Campo de Criptana" heraus, benannt nach dem Ort, in dem Don Quijote seinen Kampf gegen die Windmühlenflügel austrug. In ihrer Zeitschrift werden die Texte und Interviews von und mit vielen bekannten Politikern, Künstlern und Schriftstellern publiziert.


Weblinks


Private Homepage: www.tanjakrienen.de
Campo de Criptana: www.campodecriptana.de



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